Brauche ich ein Antivirus?
Blog| Lesezeit: 5 Minuten
Veröffentlicht: 6. Januar 2026 Zuletzt bearbeitet: 6. Januar 2026
Im digitalen Alltag lauern auf jedem Gerät Viren, Trojaner und Phishing. Reicht da der eingebaute Schutz von Windows, Apple oder Android wirklich aus? Wir erklären, was Antivirus-Software kann, wie sie arbeitet und wann Sie eine brauchen.
Im Internet tummelt sich viel bösartige Software, die Computern, Tablets und Smartphones grossen Schaden zufügen kann. Ob Sie deshalb eine Antivirus-Software (kurz Antivirus) benötigen, hängt weniger vom Gerät oder Betriebssystem, sondern mehr von Ihren Nutzungsgewohnheiten ab.
Wir erklären, wovor und wie Antiviren-Programme unsere Geräte schützen, was die Hersteller selbst dazu beitragen und wann ein zusätzlicher Virenschutz notwendig und sinnvoll ist.
Was macht ein Antivirus?
Antiviren schützen unsere Geräte, Programme und Daten vor Schadsoftware (englisch Malware). Dazu gehören unter anderem Viren, Würmer, Trojaner, Ransomware (Erpressungssoftware), Spyware (Spionagesoftware) und aggressive Adware (Werbesoftware).
Virenschutz-Programme erkennen, blockieren und entfernen bösartige Software, bevor die Systeme beschädigt, Daten abgegriffen oder verschlüsselt werden können. Sie können auch vor verdächtigen Phishing-Links und E-Mail-Anhängen warnen oder diese teilweise sogar blockieren.
Wie funktioniert Antivirus-Software?
Antivirus-Software arbeitet auf verschiedene Arten, um unsere Endgeräte vor Cyber-Angriffen zu schützen. Sie kann Dateien und Verhaltensweisen auf dem Gerät im Hintergrund überwachen und Bedrohungen stoppen.
Antiviren vergleichen dazu eingehende Dateien mit Datenbanken bekannter Schadsoftware. Dabei suchen sie zum Beispiel nach charakteristischen Mustern im Software-Code, die sich eindeutig einer bekannten Variante einer Malware zuordnen lassen.
Wenn das Programm eine Übereinstimmung erkennt, isoliert es die verdächtige Datei (setzt sie in Quarantäne) oder löscht sie. Diese signaturbasierte Erkennung ist eine der ältesten und nach wie vor wirksamsten Techniken gegen bekannte Bedrohungen. Sie bildet die erste Verteidigungslinie von Antivirus-Lösungen gegen bösartige Eindringlinge.
Antiviren können aber auch neue, unbekannte Schädlinge aufgrund ihres Verhaltens erkennen. Im Gegensatz zum signaturbasierten Vorgehen vergleicht das Programm dazu nicht Code-Muster, sondern das Verhalten des potenziellen Schädlings oder des Geräts.
Verdächtig sind etwa schnelle und häufige Dateizugriffe, Netzwerkverbindungen oder Registrierungsänderungen. Aus Sicherheitsgründen führen moderne Lösungen potenziell gefährliche Dateien isoliert (in sogenannten Sandboxes) oder auf virtuellen Maschinen aus und nicht auf dem Gerät selbst.
Kann ein Virenschutz Phishing verhindern?
Antiviren-Programme können Phishing, also das Abgreifen von persönlichen, vertraulichen Daten, nicht vollständig verhindern. Sie können bei Phishing-Angriffen zwar warnen und sie auch aktiv blockieren. Denn moderne Lösungen kombinieren URL‑/Webfilter, Mail‑Scanner und Verhaltenserkennung.
Doch die angewendeten Filter arbeiten mit Datenbanken bereits bekannter Phishing-Links. Neue oder besonders gestaltete Phishing-Kampagnen sind darin (noch) nicht enthalten. Ein vollständiger Schutz ist damit also nicht gegeben.
Daher ist es wichtig, dass Sie stets wachsam sind: Prüfen Sie Absender, URL und Kontext sorgfältig, bevor Sie Ihre Nutzerdaten und Passwörter auf Websites eingeben. Seien Sie besonders vorsichtig bei E-Mails, SMS und Kurznachrichten, Telefonanrufen und Sprachnachrichten sowie QR-Codes.
Braucht es ein Antivirus bei Apple-Geräten?
Apple ist seit jeher bekannt für seine strengen Schutzmechanismen. Die im MacOS integrierten Programme Gatekeeper, Xprotect und ein extra Malware-Entfernungs-Tool prüfen Downloads und blockieren bekannte Schadsoftware. Damit ist der Schutz auf Macs für die meisten privaten Anwenderinnen und Anwender ausreichend.
Die mobilen Betriebssysteme iOS (iPhones) und iPadOS für (iPads) sind von Haus aus stark abgeschottet. Denn Drittanbieter-Apps lassen sich nur aus dem App Store installieren und laufen automatisch in sicheren Sandboxen. So können Apps nicht auf Daten anderer Apps zugreifen oder das System manipulieren.
Einen klassischen Virenscanner gibt es in den Systemen deshalb nicht. Wenn Sie viel auf unbekannten Websites unterwegs sind und viele Cloud- und andere Online-Dienste nutzen, kann ein zusätzlicher Antivirus trotzdem sinnvoll sein. Zwingend notwendig ist das laut Fachleuten allerdings nicht.
Ist ein Virenschutz bei Microsoft-Geräten notwendig?
Microsoft hat in Sachen Cybersicherheit in den letzten Jahren massiv aufgeholt. Mittlerweile kommt Windows mit einer sehr guten Antivirus-Software: Microsoft Defender Antivirus ist standardmässig in Windows (ab Version 10) integriert und aktiviert. Fachleuten zufolge soll dieser Basisschutz vor Viren, Malware und Spyware für Private ausreichend sein.
Wenn Sie hingegen erweiterte Funktionen benötigen, sensible Daten speichern oder häufig neue Software installieren, sollten Sie zusätzliche Lösungen in Betracht ziehen.
Von Microsoft gibt es dafür innerhalb der M365-Lizenz eine extra Sicherheits-App für Einzelpersonen und Familien namens Microsoft Defender. Mit ihr lassen sich personenbezogene Daten und Geräte schützen. Die Lösung erlaubt aber auch die Überwachung der Sicherheit von mehreren Geräten aller Plattformen, also neben Windows auch macOS, iOS und Android.
Braucht es eine Antivirus-Software bei Android-Geräten?
Auch Android hat mit Google Play Protect einen integrierten Malware-Schutz. Das Programm prüft Apps bei der Installation und danach regelmässig im Hintergrund auf Schadsoftware. Play Protect ist auf fast allen aktuellen Android-Geräten integriert und wird laufend mit neuen Funktionen und Mechanismen erweitert.
Play Protect scannt auch Apps aus anderen Quellen als dem Play Store und kann automatisch Berechtigungen entziehen oder warnen, wenn sich eine App verdächtig verhält. Es ist ein Basisschutz gegen Cyberbedrohungen, der mit Windows Defender Antivirus vergleichbar ist.
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Reicht ein kostenloses Antivirus?
Die oben erwähnten in den Systemen integrierten Antiviren-Programme sind im Betriebssystem enthalten und kosten nicht zusätzlich.
Darüber hinaus gibt es von spezialisierten Drittherstellern gute Gratis-Apps, die nicht nur Malware-Schutz, sondern auch Zusatzfunktionen wie WLAN- und App-Checks oder VPN beinhalten. Dazu gehören beispielsweise Avast, Avira, AVG, Bitdefender, TotalAV oder Panda. Gratis-Lösungen haben aber auch Grenzen. So fehlt meistens der Echtzeitschutz, das VPN ist begrenzt oder sie beinhalten Werbung.
Welches das beste Antivirus für Sie ist, hängt stark von Ihren persönlichen Bedürfnissen ab. Für viele Private reicht jedoch bereits der Basisschutz, den die Hersteller selbst mitbringen.
Worauf muss ich bei der Wahl einer Antivirus-Software achten?
Eine kostenlose oder kostenpflichtige Zusatzlösung ist dann sinnvoll, wenn Sie häufig Apps aus inoffiziellen Quellen oder alternativen App Stores herunterladen und gern mit Apps experimentieren.
Kostenpflichtige Premium-Apps sind dann sinnvoll, wenn Sie erweiterte Schutzfunktionen benötigen wie unbegrenztes VPN, fortschrittlichen Schutz gegen Phishing, Identitätsdiebstahl-Monitoring oder Familien-Management über mehrere Geräte.
Achtung vor Overkill
Aufgepasst: Antivirus-Software kann auch ein Overkill für Ihre Geräte sein. Insbesondere Premium-Apps sind häufig ressourcenintensiv, weil sie mit anderen Programmen interagieren und ständig im Hintergrund arbeiten. Deshalb können sie die Betriebssysteme Ihrer Geräte auch verlangsamen.
Wägen Sie bei der Wahl eines Antivirenprogramms deshalb sorgfältig ab zwischen effektiver Nutzung (durchschnittlich oder riskant) und möglichen Nachteilen wie mangelnden Funktionen oder Werbung bei kostenlosen Lösungen und einer möglichen Verlangsamung Ihrer Geräte bei Premium-Produkten. Insbesondere ältere, weniger leistungsstarke Geräte können mit aktuellen Antiviren-Programmen Probleme bekommen.
Guten Schutz hingegen kann bereits ein umsichtiges Online-Verhalten bringen: Wachsam bleiben, nicht auf dubiose Links klicken, Berechtigungen hinterfragen und Betriebssysteme, Software resp. Apps immer aktuell halten.

Markus Häfliger ist PR-Fachmann und schreibt seit 2018 für iWay. Als ehemaliger IT-Journalist liest er sich in jedes Thema ein. Ihn fasziniert, wie IT unser Leben durchdringt und stets spannend bleibt.


