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Was ist Identitätsdiebstahl und wie schütze ich mich davor?

Was ist Identitätsdiebstahl und wie schütze ich mich davor? iWay

Blog| Lesezeit: 5 Minuten
Veröffentlicht: 21. Juli 2026

Ob beim Online-Shopping, E-Banking oder Kontakt mit Behörden: Persönliche Daten sind heute ein zentraler Bestandteil unseres Alltags. Gleichzeitig werden sie für Kriminelle immer wertvoller. Auch in der Schweiz nimmt Identitätsdiebstahl zu.

Bei Identitätsdiebstahl nutzen Kriminelle persönliche Daten, um sich als andere Personen auszugeben – oft mit finanziellen Folgen. An die Daten gelangen sie meist durch Phishing, Datenlecks oder neue Technologien wie Deepfakes.

Gemäss Statistiken von Schweizer Polizeibehörden wurden 2023 noch 478 Fälle von Online-Identitätsdiebstahl registriert. Die Zahl schnellte allerdings 2025 auf 8102 Fälle hoch.

Im Ernstfall ist schnelles Handeln entscheidend, um Schäden zu begrenzen. Die gute Nachricht: Sie können das Risiko mit einfachen Massnahmen wie starken Passwörtern und einem bewussten Umgang mit Daten deutlich senken.

Was ist Identitätsdiebstahl?

Von Identitätsdiebstahl spricht man, wenn jemand Ihre persönlichen Daten ohne Ihre Zustimmung verwendet, um sich als Sie auszugeben. Dazu gehören etwa Name, Adresse, Geburtsdatum, Telefonnummer oder Login-Daten.

Kriminelle nutzen diese Informationen, um in Ihrem Namen Verträge abzuschliessen, Einkäufe zu tätigen oder auf Ihre bestehenden Konten zuzugreifen. Oft passiert das unbemerkt im Hintergrund und Betroffene bemerken den Missbrauch erst spät respektive zu spät.

Welche Formen von Identitätsdiebstahl gibt es?

In der Schweiz beginnen viele Fälle von Identitätsdiebstahl mit sogenannten Phishing-Angriffen. Dabei erhalten Sie E-Mails, SMS oder sogar Anrufe, die scheinbar von Ihrer Bank, der Post oder Behörden stammen. Ziel ist es, Sie zum Preisgeben sensibler Daten zu bewegen.

Ein weiterer häufiger Ursprung sind Datenlecks bei Online-Diensten. Gelangen gestohlene Zugangsdaten von Online-Diensten in Umlauf, werden sie oft automatisiert für weitere Angriffe genutzt. Besonders problematisch ist das, wenn Sie das gleiche Passwort mehrfach verwenden. Denn dann haben die Betrüger schnell Zugang zu allen möglichen Portalen, bei denen Sie ein Konto haben.

Zunehmend relevant sind auch Deepfakes. Mithilfe künstlicher Intelligenz lassen sich Stimmen oder Videos täuschend echt fälschen. So ist es möglich, dass sich jemand am Telefon als Angehörige oder als Chef ausgibt oder in einem Video scheinbar als bekannte Person auftritt. Dann kann es sein, dass mit falschen Stimmen und Videos Personen unter Druck gesetzt und von ihnen zum Beispiel dringende Geldüberweisungen verlangt werden. Solche Methoden sind im geschäftlichen Umfeld verbreitet, betreffen aber zunehmend auch Privatpersonen.

Ebenfalls verbreitet ist SIM-Swapping. Dabei übernehmen Angreifer Ihre Handynummer, etwa durch Täuschung beim Mobilfunkanbieter. Dadurch erhalten sie Zugriff auf Sicherheitscodes für Zwei-Faktor-Authentifizierung, die normalerweise Sie per SMS erhalten – etwa für E-Banking oder andere Online-Konten.

Was ist SIM-Swapping? iWay
Bei SIM-Swapping übernehmen Kriminelle Ihre Handynummer und erhalten so z. B. Ihre Einmalcodes per SMS.

Welche Rolle spielen Ausweise und die e-ID?

Auch klassische Ausweisdokumente wie die Identitätskarte oder der Pass können für Identitätsdiebstahl missbraucht werden. Wenn zum Beispiel eine Identitätskarte verloren geht oder kopiert wird, besteht das Risiko, dass Kriminelle diese Daten von der Karte auslesen und für betrügerische Zwecke verwenden. Das kann beispielsweise zur Eröffnung von Konten oder für Online-Bestellungen auf Rechnung sein. In der Schweiz verlangen viele Anbieter bei Vertragsabschlüssen eine Ausweiskopie, was ein zusätzliches Risiko darstellen kann, wenn diese in falsche Hände gerät.

Die geplante staatlich anerkannte Schweizer e-ID soll hier künftig mehr Sicherheit bieten. Nach der Ablehnung der ersten Vorlage im Jahr 2021 arbeitet die Schweiz an einer neuen, staatlichen Lösung. Die Einführung ist nicht mehr wie ursprünglich geplant Ende 2026, sondern wird voraussichtlich im ersten Halbjahr 2027 erfolgen. Ziel ist eine vertrauenswürdige digitale Identität, mit der sich Nutzerinnen und Nutzer sicher online ausweisen können, etwa gegenüber Behörden oder Unternehmen.

Eine e-ID kann das Risiko von Identitätsdiebstahl reduzieren, da sie auf geprüften Identitäten und modernen Sicherheitsmechanismen basiert. Dennoch gilt: Sie müssen auch Ihre digitale Identitäten schützen. Wenn Zugangsdaten oder Authentifizierungsverfahren kompromittiert werden, kann auch eine e-ID missbraucht werden.

Bild von e-ID auf Smartphone und normaler Identitätskarte
Auch e-ID und insbesondere Identitätskarten und Pässe bedürfen einen besonderen Schutz.

Welche Folgen kann Identitätsdiebstahl haben?

Die Folgen von Identitätsdiebstahl sind oft nicht nur finanziell, sondern auch organisatorisch belastend. Es kann vorkommen, dass in Ihrem Namen Rechnungen entstehen, Abonnemente abgeschlossen oder Online-Käufe getätigt werden. In manchen Fällen werden sogar bestehende Konten übernommen.

In der Schweiz berichten Betroffene zudem häufig von Inkassoforderungen für Leistungen, die sie nie in Anspruch genommen haben. Die Klärung solcher Fälle ist oft aufwendig und erfordert viel Geduld sowie eine gute Dokumentation.

Wie können Sie sich schützen?

Ein bewusster Umgang mit den eigenen Daten ist der wichtigste Schutz vor Identitätsdiebstahl. Verwenden Sie für verschiedene Dienste unterschiedliche Passwörter und verwenden Sie einen Passwort-Manager. Aktivieren Sie, wenn möglich, die Zwei-Faktor-Authentifizierung – idealerweise nicht nur per SMS, sondern über eine Authenticator-App. Nutzen Sie wo verfügbar Passkeys.

Seien Sie besonders vorsichtig bei Nachrichten, die Sie unter Zeitdruck setzen oder ungewöhnliche Forderungen enthalten. Prüfen Sie Absender genau und geben Sie persönliche Daten nur auf vertrauenswürdigen Plattformen ein.

In der Schweiz empfiehlt es sich zudem, regelmässig die eigenen Bank- und Kreditkartenabrechnungen zu kontrollieren.

Geben Sie Ausweiskopien nur gezielt weiter und versehen Sie diese wenn möglich mit einem Vermerk zum Verwendungszweck.

Woran erkennen Sie Identitätsdiebstahl?

Typische Anzeichen von Identitätsdiebstahl sind:

  • Hinweise auf Kontoaktivitäten, die nicht von Ihnen stammen
  • kein Zugriff mehr auf ein Konto
  • unerklärliche Abbuchungen
  • Mahnungen für unbekannte Bestellungen
  • unerwartete Post von Inkassobüros

Was tun im Ernstfall in der Schweiz?

Wenn Sie von Identitätsdiebstahl betroffen sind, müssen Sie schnell handeln. Ändern Sie umgehend Ihre Passwörter und informieren Sie Ihre Bank oder Ihren Kreditkartenanbieter. Lassen Sie betroffene Zugänge sperren.

Melden Sie den Vorfall zudem unbedingt der Polizei. In der Schweiz ist auch die Melde- und Analysestelle Informationssicherung (MELANI), heute Teil des Bundesamts für Cybersicherheit (BACS), eine wichtige Anlaufstelle für Cybervorfälle. Dort finden Sie Informationen und Unterstützung.

Je nach Fall kann es sinnvoll sein, auch Betreibungsämter oder Auskunfteien zu informieren, insbesondere wenn missbräuchliche Verträge im Raum stehen. Dokumentieren Sie alle Vorfälle sorgfältig, um Ihre Ansprüche zu belegen.

Sofortmassnahmen bei Identitätsdiebstahl

  • Passwörter sofort ändern, vor allem für E-Mail, E-Banking und wichtige Online-Konten
  • Zwei-Faktor-Authentifizierung für Online-Konten aktivieren oder bestehende Einstellungen überprüfen
  • Bank oder Kreditkartenanbieter umgehend informieren, Karten sperren und Transaktionen prüfen
  • Betroffene Online-Dienste kontaktieren und Konten sichern oder sperren lassen
  • Anzeige bei der Polizei erstatten, um den Vorfall offiziell zu dokumentieren
  • Kontoauszüge, E-Mails und Post aufmerksam beobachten und auf Unregelmässigkeiten achten
  • Alles sorgfältig dokumentieren (z. B. Screenshots, Zeitpunkte)
  • Unterstützung und Informationen beim Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) einholen

Fazit

Identitätsdiebstahl ist auch in der Schweiz eine reale Bedrohung, die sich mit neuen Technologien wie Deepfakes und anderen KI-Tools auch für weniger mit IT vertrauten Menschen rasant weiterentwickelt. Gleichzeitig gibt es wirksame Möglichkeiten, sich zu schützen. Wenn Sie aufmerksam mit Ihren Daten umgehen und frühzeitig auf Warnsignale reagieren, können Sie das Risiko deutlich reduzieren.

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Markus Häfliger
PR-Fachmann

Markus Häfliger ist PR-Fachmann und schreibt seit 2018 für iWay. Als ehemaliger IT-Journalist liest er sich in jedes Thema ein. Ihn fasziniert, wie IT unser Leben durchdringt und stets spannend bleibt.

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