Was ist der Unterschied zwischen AON und PON?
Blog| Lesezeit: 3 Minuten
Veröffentlicht: 25. November 2025 Zuletzt bearbeitet: 25. November 2025
Für Glasfasernetze gibt es mit AON und PON zwei verschiedene Bauarten. Wir erklären die Unterschiede der beiden Netzarchitekturen und die jeweiligen Vor- und Nachteile von aktiven und passiven Netzen.
Bei modernen Glasfasernetzen gibt es zwei Grundarchitekturen: AON (Active Optical Network) und PON (Passive Optical Network).
Diese zwei Netzarchitekturen erfüllen unterschiedliche Bedürfnisse. Während AON maximale Flexibilität und Kontrolle pro Anschluss bietet, sorgt PON für tiefe Kosten pro Anschluss und eine einfache Skalierung.
Was bedeutet Punkt-zu- Punkt und Punkt-zu-Mehrpunkt?
Im Glasfaser-Zugangsnetz gibt es grundsätzlich zwei Architekturen: Punkt-zu-Punkt und Punkt-zu-Mehrpunkt.
Punkt-zu-Punkt
Bei einer Punkt-zu-Punkt-Architektur (P2P) erhält jeder Haushalt eine eigene, durchgehende Glasfaser bis zum zentralen Knoten. Das bietet eine hohe Flexibilität, einfache Aufrüstung und klare Trennung der Anschlüsse. Gleichzeitig benötigt P2P aber mehr Fasern und ist damit aufwändiger und kostspieliger als P2MP.
Punkt-zu-Mehrpunkt (P2MP)
Bei einer Punkt-zu-Mehrpunkt-Architektur (P2MP) teilen sich mehrere Haushalte eine einzige Glasfaser vom Netzverteiler. Diese wird über optische Splitter aufgeteilt. Das spart Fasern und senkt Kosten, führt aber zu einer gemeinsam genutzten Bandbreite und weniger individueller Flexibilität.
P2MP-Netze lassen sich zwar schneller bauen, sind aber aus Sicht des Wettbewerbs unerwünscht. Deshalb und auf Druck der Wettbewerbskommission hat man sich in der Schweiz entschieden, nur noch P2P-Netze zu bauen und bestehende P2MP-Netze auf P2P umzubauen (Stichwort Glasfaserstreit).
Wie unterscheiden sich AON und PON?
Verlässt man die Infrastrukturebene und beleuchtet die Fasern, werden aus P2P-Netzen Active Optical Networks (AON) und aus P2MP-Netzen Passive Optical Networks (PON).
Der Hauptunterschied zwischen AON und PON besteht darin, wie das Signal zwischen den Fasern aufgeteilt wird, die zu den Endnutzerinnen und -nutzern gehen.
Ein AON verwendet aktive, elektrisch betriebene Geräte, um das entsprechende Signal nur an einzelne Nutzerinnen oder Nutzer zu leiten.

Im Gegensatz dazu verwendet ein PON optische Splitter, die keine elektrische Energie benötigen, um das Signal aufzuteilen. Jede Glasfaser des Hauptnetzes kann theoretisch von bis zu 128 Endverbraucherinnen und -verbrauchern genutzt werden, wird aber in der Regel von 32 genutzt.
Bei PON kann dabei jeder dieser Nutzerinnen und Nutzer theoretisch auch Signale empfangen, die für eine andere Person bestimmt sind. Das wird jedoch durch Verschlüsselung unterbunden. Bei AON empfängt die Endnutzerin oder der Endnutzer nur für sich bestimmte Signale. Zurückgesendete Upstream-Signale wiederum werden am Splitter zu einem Signal zusammengefasst und ins Hauptnetz weitergeleitet.

Was sind die Vorteile von PON?
Bei PON sind die Installations- und Betriebskosten tiefer als bei AON. Ausserdem lassen sich PON, also P2MP-Netze, schneller realisieren.
Was sind die Nachteile von PON?
Da der Datenverkehr bei PON lediglich passiv getrennt ist, sind allfällige Fehlersuchen aufwändiger. Aus dem gleichen Grund kann es zu Spitzenzeiten zu gewissen Geschwindigkeitseinbussen kommen.
Die Geschwindigkeitseinbussen treten in der Praxis jedoch kaum auf und sind eher theoretischer Art. Denn die Aufteilung erfolgt dynamisch anhand der tatsächlich gebrauchten Bandbreite und passt sich zu jedem Zeitpunkt an die Bedürfnisse der einzelnen Teilnehmenden an.
Sie möchten keine Beiträge mehr verpassen? Dann abonnieren Sie unseren monatlichen Newsletter!
Was sind die Vorteile von AON?
Die Fehlersuche ist bei AON einfacher als bei PON, da jeder Abschnitt zwischen dem Splitter getrennt ist. Weil der Datenverkehr ausserdem aktiv getrennt wird, gibt es bei AON zudem keine Geschwindigkeitseinbussen.
Was sind die Nachteile von AON?
Speziell auf der Netzwerkseite ist AON teurer und AON-Netze können weniger schnell realisiert werden. Auch Router für hohe Geschwindigkeiten (über 1 Gbit/s bis 10 Gbit/s) sind bei AON teurer als bei PON.
Was ist XGS-PON?
Die ersten PON-Netze wurden bereits Anfang der 1990er-Jahre realisiert. Für die dazu gehörenden Geräte wurden im Laufe der Jahre verschiedene und immer leistungsfähigere Standards entwickelt.
Mit zunehmendem Bedarf für sehr hohe Internetgeschwindigkeiten von über 1 Gbit/s für Private hat die Industrie den Standard XGS-PON entwickelt. XGS-PON steht für eXtended Gigabit Symmetric PON oder für 10 Gigabit Symmetric PON.
XGS-PON hat sich dank seinen grossen Kostenvorteilen international durchgesetzt. Deshalb gibt es heute für Geschwindigkeiten über 1 Gbit/s mehrheitlich Ausrüstung für XGS-PON und deren noch schnellere Nachfolger.
Diese Technologie wird auch grösstenteils P2P-Netzen eingesetzt, indem man die optischen Splitter in den Zugangsknoten platziert.

Henry Salzmann ist CISO und seit 2018 bei iWay. Der diplomierte Elektroingenieur begeistert sich für WLAN, TV, Telefonie und Sicherheit. Seine Steckenpferde sind Smart Home, Amateurfunk und Making.


