Was der neue WLAN-Standard Wi-Fi 7 kann
Blog| Lesezeit: 3 Minuten
Veröffentlicht: 28. November 2023
Der WLAN-Standard Wi-Fi 7 ist Anfang 2024 herausgekommen und bringt zahlreiche Verbesserungen mit sich. Was Wi-Fi 7 alles kann und ob Sie nun neue Geräte kaufen müssen.
Erst Ende 2021 kamen die ersten Geräte mit dem Vorgängerstandard Wi-Fi 6E auf den Markt. Und nun ist die WLAN-Generation Wi-Fi 7 (IEEE 802.11be) als «schnellstes WLAN aller Zeiten» mit einer Datenrate von bis zu 46 Gbit/s schon da.
Das Wichtigste zu Wi-Fi 7
Gemäss der Wi-Fi Alliance gehören zu den wichtigsten Verbesserungen von Wi-Fi 7 gegenüber den früheren WLAN-Standards:
- Höhere Geschwindigkeit
- Geringere und deterministische (vorher bestimmbare) Latenz (Verzögerungszeit)
- Verbesserte Kapazität und Effizienz, auch in dicht belegten Netzen
- Erhöhte Robustheit und Zuverlässigkeit
- Geringerer Energieverbrauch
- Kompatibilität mit den älteren Standards
Diese Vorteile beruhen auf neuen Funktionen, die auf den Möglichkeiten von Wi-Fi 6E aufbauen und diese erweitern. Wi-Fi 7 kann also alles, was der Vorgängerstandard mitbringt, plus zusätzlich einige wesentliche neue Funktionen.
Kanäle mit 320 MHz Bandbreite
Im neuen 6-GHz-Band wurden Ende 2021 in Europa 500 MHz freigegeben und mit Wi-Fi 6E erstmals für WLAN verwendet.
Wi-Fi 7 kann im 6-GHz-Band Kanäle von sagenhaften 320 MHz nutzen. Bei Wi-Fi 6E waren es noch maximal 160 MHz. Diese Verdoppelung der Kanalbandbreite bringt auch eine Verdoppelung des Datendurchsatzes, also der Übertragungsgeschwindigkeit.
Allerdings ist in Europa nur Platz für einen Kanal. In den USA stehen im 6-GHz-Spektrum 1200 MHz zur Verfügung. Dort hat es Platz für drei solcher breitbandigen Kanäle.

Multi-Link Operation (MLO)
Multi-Link Operation (MLO) ist wohl die innovativste Entwicklung bei Wi-Fi 7. Sie bringt gleich mehrere Vorteile mit sich. Der wichtigste ist zusammen mit den 320-MHz-Kanälen und 4096 QAM eine weitere Steigerung des Datendurchsatzes. MLO bringt jedoch auch potenzielle Verbesserungen bei der Stabilität der Verbindung.
Mit MLO können Verbindungen gleichzeitig verschiedene Frequenzbänder und Kanäle nutzen. Dadurch kommen die unterschiedlichen Eigenschaften der einzelnen Bänder besser zum Tragen, wie zum Beispiel die höhere Geschwindigkeit und Bandbreite des 6-GHz-Bandes oder die grössere Reichweite des 2,4-GHz-Bandes.
MLO ermöglicht es ausserdem, dass sich ein einzelnes Gerät mit mehreren Access Points (WLAN-Router) verbinden kann. Das trägt wiederum zur Stabilität bei, wenn sich Nutzerinnen und Nutzer im Raum bewegen.
4096 QAM (4K QAM)
QAM (Quadraturamplitudenmodulation) ist ein Modulationsverfahren, das schon seit Generationen für Wi-Fi eingesetzt wird. Bei Wi-Fi 5 war es noch 256 QAM, bei Wi-Fi 6 wurde es 1024 QAM und bei Wi-Fi 7 ist es nun 4096 QAM.
Entgegen dem Marketingversprechen von «enormen Verbesserungen» bringt QAM 4096 allerdings gerade mal 1,2-mal mehr Geschwindigkeit als QAM 1024. Nachteilig ist, dass damit die Reichweite leider entsprechend abnimmt.
Spectrum-Puncturing
Kurz gesagt ermöglicht Spectrum-Puncturing (oder Punctured Transmission) dem Access Point und dem Endgerät, bei Störungen den betroffenen Teil des Kanals auszulassen und trotzdem weiterhin einen möglichst grossen Teil des Spektrums im Kanal zu nutzen. Das trägt dazu bei, den Datendurchsatz zu verbessern und die Latenzzeit bei Störungen zu verringern.
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Was bringt Wi-Fi 7 in der Praxis?
In der Praxis lassen sich die extrem hohen Geschwindigkeiten kaum jemals auch nur annähernd erreichen. Und auch dann nur mit sehr teuren, maximal ausgestatten Routern und auf kurze Distanzen.
Trotzdem ist das WLAN unter dem Strich mit Wi-Fi 7 deutlich schneller und zuverlässiger. Die Verbesserung ist grösser, als es in der Vergangenheit mit neuen Wi-Fi-Generationen der Fall war.
Brauche ich jetzt Wi-Fi-7-Geräte?
Wi-Fi 7 ist ein zukunftsweisender Standard, der das WLAN-Erlebnis verbessert. Dank der Kompatibilität zu den früheren Standards arbeiten jedoch auch ältere Endgeräte mit Wi-Fi-7-Routern zusammen und umgekehrt auch Wi-Fi-7-Endgeräte mit älteren Routern.
Der Wechsel kann also schrittweise erfolgen. Für Private besteht kein Anlass, noch funktionsfähige Geräte nur wegen Wi-Fi 7 zu ersetzen.

Henry Salzmann ist CISO und seit 2018 bei iWay. Der diplomierte Elektroingenieur begeistert sich für WLAN, TV, Telefonie und Sicherheit. Seine Steckenpferde sind Smart Home, Amateurfunk und Making.


